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Imre Horvath
Der EuroCity nach Milano Centrale hat fünf Minuten Verspätung. Für Beat Meier, dreissig Jahre Bahnbetrieb, sind das fünf Minuten zu viel. Als er endlich einsteigt, sind vier Fremde dabei — und ein schwarzer Koffer, der jemand anderem gehört. Ein Deutscher, der jede Lage zuerst beurteilt und dann verliert. Ein Engländer, der sich entschuldigt, bevor er zuschlägt. Ein französischer Koch, dessen zwölf Messer im falschen Land liegen. Ein Chinese, der Wahrscheinlichkeiten nennt, die postwendend widerlegt werden. Und irgendwo zwischen Mailand und Neapel ein Neapolitaner, der für jedes Problem jemanden kennt. Sie wollen den Koffer nur abgeben. Sie brauchen dafür zwei Tage, zwölfhundert Kilometer und drei Behörden, um zu begreifen, dass es niemanden gibt, der ihn nehmen darf. Und dass genau darauf jemand gewartet hat. Sechs Männer aus sechs Ländern versuchen, eine Sache zu retten — und streiten dabei darüber, wie man korrekt eine Tür öffnet.
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Imre Horvath
Jede Antwort ist richtig, wenn man die falsche Frage stellt Renato Vanoni bekommt einen Preis für sein Lebenswerk. Während man ihm applaudiert, fällt ihm eine Frage ein, die er sechzig Jahre lang nicht gestellt hat: welches Leben. Er sagt seine Termine ab und fährt allein in das Quartier, aus dem er stammt. Die Strasse gibt es noch. Die Hausnummer auch. Das Haus nicht. Er kann mit Ministern verhandeln und scheitert an einem Fahrscheinautomaten, und niemand hier weiss, wer er ist. Auf der letzten Brache des Viertels steht ein alter Maulbeerbaum. Im März soll dort gebaut werden. Das Grundstück gehört seiner eigenen Firma. Eine Novelle über einen Mann, der zurückkehrt, um etwas zu finden – und entdeckt, dass er zu dem gehört, was verschwunden ist.
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Am Anfang war das Missverständnis
Imre Horvath
Am Anfang war das Missverständnis Adam sagt das erste Wort der Menschheit. Eva stellt die erste Rückfrage. Die Schlange stellt die zweite. Damit nimmt eine Geschichte ihren Lauf, die bis heute nicht zu Ende erzählt ist. Mit feinem Humor, klugen Dialogen und überraschenden Wendungen erzählt Imre Horvath die Entstehung der menschlichen Kommunikation neu. Missverständnisse werden zu Regeln, Vermutungen zu Wahrheiten, Protokolle wichtiger als das Gesagte – und aus einer harmlosen Bemerkung entsteht eine Weltordnung. Adam will erklären. Eva will verstehen. Die Schlange will nur Fragen stellen. Der Engel schreibt alles mit – leider nicht immer richtig. Gott sagt erstaunlich wenig und staunt darüber, was aus wenigen Worten werden kann. Eine ebenso witzige wie nachdenkliche Erzählung über Sprache, Liebe, Gewissheiten und die erstaunliche Fähigkeit des Menschen, sich selbst im Weg zu stehen. Für alle, die schon einmal dachten: „So habe ich das doch gar nicht gemeint.“
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Das Glück, nicht gebraucht zu werden
Imre Horvath
Das Glück, nicht gebraucht zu werden Eine Novelle Ein Mann. Ein Hund. Und ein einziger Satz, der ihm entgleitet. Eine leise, komische, überraschend zärtliche Geschichte darüber, was von einem Menschen bleibt, wenn niemand mehr etwas von ihm verlangt — und wer wir sind, sobald andere anfangen, uns zu erklären. › Worum es geht Nach neunundzwanzig Jahren verliert Levin Noll seine Stelle an eine Software. Er beschliesst, fortan einfach nicht mehr gebraucht zu werden — und zieht in einen Bauwagen am Rand eines Schrebergartens. Es wäre ein guter Plan. Wäre da nicht die Welt, die aus jedem seiner Schritte etwas macht, das er nie gemeint hat. Und ein Hund namens Sokrates, der das alles für reichlich kompliziert hält. › Die zweite Stimme Sokrates versteht nicht, warum Menschen Formulare brauchen, um zu wohnen, und Bücher, um glücklich zu sein. Er weiss, was zählt: Geruch, Wärme, Wurst — und wer bei wem bleibt. Wo Levin die Wahrheit in Begriffen sucht, findet der Hund sie im Verhalten. Sein trockener Blick auf die Menschen ist die heimliche Seele dieses Buches. › Für wen Für alle, die sich beim übermässigen Erklären ertappt haben. Die je das Gefühl kannten, gerade durch die Richtigstellung noch gründlicher missverstanden zu werden. Und für jeden, der sich fragt, ob Freiheit wirklich bedeutet, niemanden zu brauchen — oder etwas ganz anderes. Man lacht über Levin. Und merkt zu spät, dass man über sich selbst lacht.
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Imre Horvath
Porto Nerone ist eine kleine Küstenstadt: eng, hell, mit dem Rücken zum Berg. Über der Bucht steht ein weisses Haus, seit Jahrzehnten unbewohnt, und unter dem Dachfirst ein schmales Fenster aus rotem Glas. Matteo Serra, vierundsechzig, hat hier vor zweiundzwanzig Jahren eine Untersuchung geführt, die man ihm aus der Hand genommen hat. Zurück kommt er, weil ihm die Architektin Elena Valli geschrieben hat, sie habe etwas gefunden. Am Morgen nach seiner Ankunft liegt sie unter den Klippen. Elena Valli hat gegen ein Bauprojekt gekämpft, das in zwei Wochen beurkundet werden soll — und dabei angefangen, in den Eigentumsakten der Nachkriegsjahre zu lesen. In diesen Akten steht, wie in Porto Nerone Grundbesitz entstanden ist. Serra hat vierzehn Tage, um zu beweisen, was sie wusste. Er beweist es. Das ist nicht das Ende der Novelle, sondern ihr Anfang. Denn Wahrheit richtet in einer kleinen Stadt nicht dort Schaden an, wo die Schuld liegt, sondern dort, wo Menschen ihr Leben lang gutgläubig gewohnt haben.
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Imre Horvath
An einem Dienstag im April fällt in einem Aluminiumwerk die Stromzuteilung aus. Vier Stunden, dann sind die Öfen tot. Das System meldet dreimal, der Strom komme in zwanzig Minuten zurück. Betriebsleiter Konrad Keller entscheidet zu warten. Am selben Vormittag stösst die Datenspezialistin Mara Levin auf zwei Zahlen, die zu genau übereinstimmen. Zwei unabhängige Quellen sind nie gleich. Diese sind es seit Januar. Was folgt, ist kein Angriff. Es ist eine Rechnung. Lieferanten, Banken, Netzbetreiber und Behörden reagieren auf dieselbe Kennziffer, jeder für sich korrekt, jeder für sich unangreifbar. Ein Krisenstab wird eingesetzt — dreissig Stunden zu spät, weil seine Einsetzung ein Eingeständnis ist. Und der Regierungschef hat drei Handlungsvarianten, von denen keine passt. Nullsumme erzählt zwei Wochen, in denen alle das Richtige tun und niemand etwas verhindert. Eine Novelle über Abhängigkeiten, die man erst sieht, wenn sie nicht mehr halten.
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Imre Horvath
Ruth Landolt, Siegelprüferin der OVI, entdeckt in einer Rechenzentrumshalle in der Wüste eine Patina, die nicht gewachsen, sondern aufgetragen ist — und ein zugesteckter Zettel macht aus der Materialfrage einen Fall, den niemand geprüft haben will. Zwischen Genfer Verfahren, Halcyons Interessen, dem Werben Anton Ferbers und den Recherchen der Journalistin Solange Rey holt Ruth zudem ihre Wiener Vergangenheit ein, während die Frist von 24 Tagen bis zur Konferenz unerbittlich schrumpft. Am Ende steht die Frage, was ein Siegel wert ist, wenn das System dahinter nicht mehr bezeugen will — und was eine Prüferin riskiert, die dem Draht mehr traut als den Menschen.
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Imre Horvath
Ein Toter, ein Name aus vierzig Jahren - und ein Richter, der in dieser Sache keiner mehr sein darf. Konrad Niederer, pensionierter Untersuchungsrichter, hat sich in ein Haus über dem Nebel zurückgezogen, um in Ruhe zu sterben. Dann meldet ihm ein alter Weggefährte einen Toten: Albert Stähli, gestürzt an einer einsamen Böschung. Ein Unfall, sagt die Staatsanwältin - und wahrscheinlich hat sie recht. Doch auf dem Tisch des Toten liegt eine leere Mappe mit einem Frauennamen, der Konrad seit vierzig Jahren verfolgt. Und im Dorf steht eine Fremde, deren Gesicht er kennt, obwohl er es nie wiederzusehen glaubte. Je näher er der Wahrheit kommt, desto klarer wird, dass er in dieser Sache kein Richter mehr ist, sondern eine Partei - befangen bis ins Mark. Zwischen alter Schuld, später Liebe und einem reinen Gewissen, das nichts zu bereuen meint, muss ein sterbender Mann entscheiden, was schwerer wiegt: das Recht oder die Gerechtigkeit. Und ob er ein Recht hat, zu richten. Eine kalte Kriminalnovelle über eine Schuld, die nicht verjährt.
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Imre Horvath
Am Aschermittwoch gibt der Fieschergletscher etwas frei, das lange im Eis verborgen lag. Kommissar Schlunegger, ein eigenwilliger Berner auf befristeter Abordnung im Wallis, soll den rätselhaften Fund möglichst diskret untersuchen. Doch im engen Tal gelten eigene Regeln. Fremden begegnet man mit höflicher Zurückhaltung, unbequemen Fragen mit Schweigen. Zwischen dunklen Holzhäusern, steilen Hängen und Familien, deren Geschichten seit Generationen mit dieser Landschaft verbunden sind, stösst Schlunegger auf Andeutungen, Widersprüche und Erinnerungen, die niemand beim Namen nennen will. Je tiefer er in die Vergangenheit des Dorfes eindringt, desto deutlicher erkennt er, dass er es nicht nur mit einem Geheimnis zu tun hat, sondern mit dem Schweigen einer ganzen Gemeinschaft. Das Dorf kann schweigen, das Eis kann bewahren, aber der Berg vergisst nie. Ein atmosphärischer Walliser Kriminalroman über Schuld, Loyalität und eine Wahrheit, die sich nicht für immer begraben lässt.
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Imre Horvath
Konrad Wyss ist Sprachredaktor in einer Bundesbehörde. Seit dreissig Jahren sorgt er dafür, dass amtliche Texte korrekt, sachlich und unangreifbar klingen. Er lügt nie. Er formuliert die Wahrheit lediglich so, dass niemand daran Anstoss nimmt. Als Konrad das Protokoll eines neu geschaffenen Rats für gesellschaftliche Wahrhaftigkeit und Zukunftsverantwortung führen soll, begegnet er den grossen Widersprüchen der Gegenwart: Klimaschutz und Privatjets, Wohnungsnot und Leerstand, Lebensmittelverschwendung und Eigentumsschutz, soziale Medien und gezielt verstärkte Empörung, Lobbyismus, politische Abhängigkeiten und Medien, die Aufmerksamkeit mit Aufklärung verwechseln. Alle Beteiligten handeln vernünftig. Niemand hält sich für korrupt oder gewissenlos. Die Zahlen sind veröffentlicht, die Zuständigkeiten geregelt und die Interessen transparent ausgewiesen. Dennoch entsteht aus lauter nachvollziehbaren Entscheidungen ein System, in dem Verantwortung verschwindet und die Wirklichkeit immer weiter geglättet wird. Konrad beginnt, die ursprünglichen Aussagen mit den später veröffentlichten Fassungen zu vergleichen. Gemeinsam mit der Journalistin Mira Saladin erkennt er, dass die Wahrheit kaum noch verborgen werden muss. Es genügt, sie einzuordnen, zusammenzufassen und in eine Form zu bringen, gegen die niemand etwas einwenden kann. Alles unter Kontrolle ist ein satirischer Roman über Politik, Medien, Wirtschaft und Institutionen – und über uns selbst. Mit schwarzem Humor und beklemmender Nähe zur Realität zeigt er eine Gesellschaft, in der fast alles bekannt ist, vieles korrekt abläuft und dennoch kaum jemand für das Ergebnis verantwortlich sein will.
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